Fatzer

Bertolt Brecht / Regie: Tore Vagn Lid

Theater
Freitag 22. Juni 2012 | 17.30 Uhr Deutschlandpremiere
Samstag 23. Juni 2012 | 17.30 Uhr

Info In norwegischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Das Fatzer-Fragment ist eine von Brechts brutalsten und potentesten Skizzen, geschaffen in einer Zeit des existenziellen Konfliktes zwischen politischer Verpflichtung und individueller Selbstrealisierung, zwischen Genuss und Verantwortung, Sexualität und Solidarität.

Der norwegische Regisseur Tore Vagn Lid wagt die Rekonstruktion des Fragments zu einem Theaterabend, der am 25. Mai 2012 beim Bergen Festival in Norwegen zur Premiere kam. Tore Vagn Lid studierte und promovierte am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Er arbeitet als Autor und inszenierte zahlreiche Produktionen.

Pressestimme

Spätestens, seit Brechts „Maßnahme“ in der Inszenierung des Bergener Regisseurs Tore Vagn Lid 2008 zum „Young Directors Project“ der Salzburger Festspiele geladen wurde, beobachtet die Szene aufmerksam, was in Bergen produziert wird.[…]
Regisseur Tore Vagn Lid hat auch für diesen Festspieljahrgang erneut Brecht inszeniert und sich an die Rekonstruktion des gewaltigen „Fatzer“-Fragments gewagt. Lid hat an der Theatermacher-Schmiede in Gießen studiert und beherrscht das ästhetische Vokabular und die technischen Finessen des derzeit handelsüblichen Theaters perfekt. Und doch findet er einen ganz eigenen Ton der Unverstelltheit, die frappierend direkt und klar wirkt.
[…]  Suggestiv setzt Tore Vagn Lid auch die selbst arrangierte, aufwändig bestückte Livemusik ein: Ein solistisch besetzter Chor intoniert Eisler, Schostakowitsch und Händel über rauschenden Klavierklängen, die Bergen Brass Band stimmt krachend Revolutionsmärsche an.
Eindride Eidsvold zeigt „Fatzer“ als virilen, schlitzohrigen, aber durchaus charismatischen Typen, dem das Klischee des triebgesteuerten Egoisten viel zu eng ist. Seine drei Mitstreiter sind scharf konturierte Typen, Hanne Dieserud ist eine ganz heutige „Therese“ der globalisierten Welt. Überhaupt ist der gute alte Brecht in Lids hinreißend gut getimter Inszenierung kein staubiges Thesentheater, sondern tatsächlich taufrisches politisches Theater.  Ohne jene Verkrampftheit, die man im deutschsprachigen Theaterraum bei dem Versuch, politisch zu werden, immer wieder durchleiden muss. Nein, Lid setzt ganz selbstverständlich, freilich mit aktuellen Werkzeugen, Brecht’-sche Theatermittel der Verfremdung ein, bleibt aber ganz unverblümt und schämt sich der Haltung nicht. Ganz ohne Ironie. Ein temporeicher, packender Abend.
taz.de | Regine Müller
Zweite Mülheimer Fatzer Tage
Bertolt Brecht | Tore Vagn Lid, René Pollesch, LIGNA
Theater, Performance, Symposium | 22.-24. Juni 2012

Ort Ringlokschuppen | Am Schloß Broich 38 | 45479 Mülheim an der Ruhr

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