Zum schwierigen Verhältnis von Antisemitismuskritik und Rassismuskritik

Floris Biskamp

Vortrag und Diskussion
Montag 19. Dezember 2022, 20.00 Uhr

Verbleibt man im Abstrakten, sind sich fast alle darüber einig, dass sowohl Antisemitismus als auch Rassismus entschieden abzulehnen sind. Wenn es aber konkret wird, geraten Antisemitismuskritik und Rassismuskritik immer wieder in offenen Streit und wechselseitiger Bezichtigung. Zu einem solchen Konflikt kam es bspw. im Frühjahr 2020, nachdem Achille Mbembe als Eröffnungsredner der Ruhrtriennale eingeladen worden war. Die eine, antisemitismuskritische Seite kritisierte Mbembes Aussagen über Israel und das Judentum sowie seine Unterstützung eines Israelboykotts als antisemitisch, die andere, rassismuskritische Seite wies diese Vorwürfe nicht nur als haltlos zurück, sondern sah in ihnen selbst die Reproduktion rassistischer Strukturen auf Kosten eines rassifizierten Sprechers.

Die Veranstaltung möchte untersuchen, warum es immer wieder zu Konflikten zwischen Antisemitismuskritik und Rassismuskritik kommt und warum diese Konflikte insbesondere dann aufbrechen, wenn es um Israel bzw. den Nahostkonflikt geht. Dazu skizziert uns der Politikwissenschaftler und Soziologe Floris Biskamp die unterschiedlichen Theoriegebäude Antisemitismuskritik und postkolonialer Rassismuskritik und der daraus resultierenden jeweiligen (Miss-)Verständnisse der Begriffe von Antisemitismus und Rassismus. Kann man zwischen beiden Positionen vermitteln?

Floris Biskamp | Uni Kassel

Prof. Dr. Floris Biskamp ist Politikwissenschaftler und Soziologe. Er arbeitet als Koordinator und Postdoc im Promotionskolleg „Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität“ an der Universität Tübingen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen politische Theorie, Gesellschaftstheorie, das Verhältnis von Politik und Religion sowie Rassismus- und Antisemitismusforschung. Seine letzten beiden Buchpublikationen sind die Dissertationsschrift „Orientalismus und demokratische Öffentlichkeit. Antimuslimischer Rassismus aus der Perspektive von postkolonialer und neuerer kritischer Theorie“ (transcript 2016) sowie der von ihm mitherausgegebene Sammelband „Ruck nach rechts? Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und die Frage nach Gegenstrategien“ (Barbara Budrich 2017). Zudem betreibt Floris Biskamp einen Blog mit kürzeren Texten zu aktuellen Themen.

Moderation: Dominik Meder

Programmreihe " Das Problem heißt Antisemitismus"

Die Programmreihe Das Problem heißt Antisemitismus setzt sich mit Formen und Verbreitung des Antisemitismus in unserer Gesellschaft auseinander. Gemeinsam mit dem Literaturbüro Ruhr, der VHS Mülheim und dem soziokulturellen Zentrum Makroscope in Mülheim sollen szenenübergreifende Synergie-Effekte auf den Weg gebracht und verschiedene gesellschaftliche Schichten und Akteur*innen angesprochen werden. Neben einer Einführung in den Themenkomplex der Antisemitimustheorien werden unter Einbezug jüdischer Perspektiven aus Alltag, Journalismus, Wissenschaft und Literatur Handlungsoptionen aufgezeigt und kontroverse Themenkomplexe diskutiert. Ziel der Reihe ist es, einen breiten öffentlicher Diskurs anzustoßen, ein Bewusstsein für die vielen Formen und Ausprägungen des Antisemitismus zu schaffen, diese sichtbar zu machen und eine Möglichkeit der kritischen Selbstbefragung zu bieten.

Eintritt frei

Ort Ringlokschuppen | Am Schloß Broich 38 | 45479 Mülheim an der Ruhr

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