Gayle Tufts
Gayle Tufts: Please don't stop the music
Stimmgewaltiger denn je erzählt und singt die fantastische Hauptdarstellerin ihres eigenen Lebens brand new Geschichten. Ihre unverwechselbare Erfindung – das Dinglish, ein poetischer und pointierter Mix aus Deutsch und Englisch - schlägt dabei den Bogen von Brockton - über Buffalo, Broadway und Bielefeld - nach Berlin.
Die amerikanische Entertainerin und Sängerin erzählt von 7 Nächten, die ihr Leben verändert haben – ein Blick, ein Ton, eine Bewegung – und alles ist anders!
Charmant und humorvoll, mit Selbstironie und Stärke, schrägen Sichtweisen und Hintersinn. Als erstklassige Besetzung ist sie dabei glamourös, unbändig leidenschaftlich und pulsierend.
Gayle Tufts ist ein Volltreffer. Und sie rockt die wichtigen Themen im Hier und Heute.
Ein Abend voller neu interpretierter Classics, frischen Songs und überraschenden Geschichten.
Getragen wird sie dabei von der musikalischen Untermalung ihres Bühnenpartners und Spielkameraden – der preisgekrönte Film-und Fernsehkomponist Marian Lux.
Pressestimmen zu Gayle Tufts:
„Die aus dem Fernsehen und vielen Live-Auftritten bekannte Gayle Tufts ist einfach liebenswürdig .Sie ist eine begnadete Entertainerin. Wie Gayle Tufts das Publikum auf eine unverkrampfte Art mit den Themen Selbstverwirklichung der Frauen sowie die Sehnsucht nach Freiheit und Respekt anspricht, ist witzig und ernst zugleich.“ - Frankfurter Rundschau
"Was hat diese Frau für eine Energie! Und was für eine Stimme! Was für eine Lebensfreude! Und was für einen Witz! Ihr neues Programm ist eine sehr persönliche Zeitreise mit Songs und Geschichten – schwungvoll, klug, offen und herzlich, ernsthaft lustig und lustig ernst. Mit Klassiker und eigenen Kompositionen - zum Juchzen, Kreischen, Mitklatschen. Ein Abend mit wunderbar vielen Facetten. Bei Gayle Tufts Auftritten steht die Zeit ein gutes Weilchen still." - Berliner Zeitung, 2.5.2024, Irene Bazinger
Please don’t stop the Music - Ein Interview mit Gayle Tufts
Gayle, Du singst auf „Dinglish“ – was ist das und wie bist Du dazu gekommen?
Dinglish ist die kreative und poetische Mischung aus Deutsch und Englisch. So reden alle Expats - ich bin hier ohne ein Wort Deutsch angekommen. Weil das irgendwann zu langweilig - und ich aber auch zu ungeduldig war, um in eine Schule zu gehen - hab ich immer so viel Deutsch wie möglich in meine englischen Sätze geworfen.
Mittlerweile ist das ein viel bewussterer Vorgang. Ich schreibe alle meine Texte selbst - auch wenn es immer so wirkt, als sei alles ganz spontan - und gestalte sie so, dass mich alle verstehen können.
Frühere Programme hießen „Absolutely Unterwegs“ oder "Everybodys Showgirl". Der Untertitel meines aktuellen Buchs ist „How I lost my Heimat and found my Zuhause“.
Wie bist Du als Tochter einer Arbeiterfamilie aus Massachusetts zum Show-Business gekommen?
Brockton, ein Vorort von Boston, war in den 70ern eine Stadt voller Arbeitslosigkeit und wenig Perspektiven. Mit 4 meldeten mich meine Eltern in der Tanzschule meiner Tante an und als ich im rosa Hasenkostüm bei der Jahrespräsentation zum ersten Mal auf der Bühne stand und in ein Mikrophon sprach, sah ich meine Zukunft vor mir.
Ich war eine Streberin. Die Leiterin unserer Theater AG an der Schule sagte mir, wenn ich mich anstrenge, könnte ich ein Stipendium bekommen. Mit 17 wurde ich zur besten Schauspielerin an unserer Schule gewählt, auf Festivals dann als beste Schul-Schauspielerin in Massachusetts und dann im gesamten Nordosten. Das brachte mir das Vollstipendium für die NEW YORK UNIVERSITY - schon damals 16.000 Dollar pro Semester.
Wie kommt man darauf, ausgerechnet aus der Show-Metropole New York nach Deutschland auszuwandern?
Ich war gut im Geschäft - im Ensemble von Philip Glass spielte ich am Lincoln Center. Ich war dabei einen Broadway-Agenten zu finden.
Aber an der Uni hatte ich gelernt, meine eigenen Programme zu gestalten und nicht auf Dritte zu warten, von denen ich dann abhängig bin.
Eine meiner Lehrerinnen an der Uni war ein großer Pina Bausch- und Fassbinder-Fan. Ich war Anfang der 80er Teil einer Truppe von Tänzern, die neue Formen der Improvisation entwickelten - und heute weltweit der Standard sind.
Deutsche Tänzer*innen- vor allem aus Berlin - besuchten uns, u.a. Sascha Walz. Ich lernte Adriana Altaras kennen und schließlich Annette Humpe, die sehr streng zu mir sagte: „Du musst nach Berlin kommen.“
1984 kam ich das erste Mal nach West-Berlin. Am ersten Tag holte mich Annette ab. Wir gingen ins Aufnahmestudio, wo Ulla Meinecke wartete - und wir drei waren die Back-Up-Sänger für Max Goldt „Bau mir ein Haus aus den Knochen von Carry Grand“.
Max hat mich dann als Sängerin für die Tour mit seiner Band Foyer des Arts engagiert.
Wie nimmst Du als Wahl-Berlinerin das Ruhrgebiet wahr?
Meine erste große Liebe in Deutschland war Schauspieler bei Roberto Ciulli - deshalb war ich schon früh viel in Mülheim.
Mein Vater war Barkeeper, meine Mutter Supermarkt-Kassiererin - beide sehr bodenständig, offen, herzlich, voller Humor und Musik, gesellig, aber auch politisch interessiert, mit dem Herz am richtigen Fleck. Ich denke, deshalb habe ich mich in Mülheim sehr wohl gefühlt.Es gibt viele tolle Orte hier, relativ nah beieinander - das Gloria in Köln, das Savoy in Düsseldorf, das Ebertbad in Oberhausen, das Schauspielhaus in Bochum, das Stratmanns Theater in Essen - alles tolle Orte, in denen ich immer wieder sehr gerne spiele. Und natürlich meine Kollegin und Freundin Gerburg Jahnke - geht mehr Ruhrgebiet?
Dein aktuelles Programm „Please don’t stop the music“ erzählt von „7 Nächten, die dein Leben verändert haben“.
Kannst Du uns vielleicht schon einen Einblick geben, was in diesen Nächten passiert ist?
Ich gehe durch die 7 Dekaden meines Lebens - unglaublich aber wahr - und erzähle von den wichtigsten Begegnungen und Ereignissen: Von meiner ersten Liebe Kevin Flinn und dem ersten Disco-Besuch, von meinem ersten Tag an der Uni in New York, ganz allein, ausgesetzt von meiner Mutter und meiner Schwester, denen die Großstadt viel zu viel war. Von meinen Begegnungen mit den Beastie Boys und Madonna, von meinem ersten West-Berlin Besuch, der Nacht des Mauerfalls, meinen Treffen mit Marian, meinem Pianisten. Das waren alles Begegnungen, die mein Leben geprägt und verändert haben. Zurückgeschaut gibt es wahrscheinlich keine Zufälle und alles macht Sinn. Davon erzähle ich mit viel Musik, Comedy, Tanz und Performance.
Du beschäftigst dich viel mit dem deutsch-amerikanischen Verhältnis – aktuell nicht gerade ein Party-Thema… Wie schaffst Du es dabei optimistisch zu bleiben?
Das wird immer schwerer, weil das, was gerade in den USA passiert, wirklich eine Tragödie ist. Es hilft mir auf die Bühne zu gehen und meine Gefühle mit anderen zu teilen - wir müssen uns erleben, uns gegenseitig zuhören und in Bewegung bleiben. Wir hören nicht auf zu tanzen, weil wir alt werden. Wir werden alt, weil wir aufhören zu tanzen. Und mein Ziel ist es immer, dass es allen Beteiligten nach der Show besser geht als vorher.
Worauf können sich deine Fans beim Auftritt im Ringlokschuppen Ruhr am meisten freuen?
Für mich ist dieser Abend mit dem Publikum wie ein Treffen mit der besten Freundin - wir lachen zusammen und tauschen auch ernste Dinge aus - es wird silly und vielleicht beschwipst, wir geben uns Mut und Zuversicht.
Und begleitet wird das Ganze von der tollsten Musik - gespielt von meinem Pianisten Marian Lux - eigentlich komponiert er fürs Fernsehen (u.a. die Serie LÖWENZAHN) und Musical (gerade für die Gebrüder-Grimm-Festspiele in Hanau).
Das sind die ganz großen Melodien und die berührendsten Arrangements - und dabei hat er nur ein Fishnet-Shirt an… Das sollte sich kein Mann und keine Frau entgehen lassen.