Einführung in die Antisemitismuskritik

Vortrag und Diskussion
Mittwoch 29. Juni 2022, 20.00 Uhr

Info: im Makroscope | Freitickets über Button "Tickets" erhältlich

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Antisemitische Einstellungen existieren seit Jahrhunderten auf dem europäischen Kontinent. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gelten sie zwar als verpönt, dennoch sind sie auch in Deutschland weiterhin handfest präsent. Ist Antisemitismus Teil unseres kulturellen Erbes? Antisemitismus hat viele Gesichter und differenziert sich in immer neue und verschiedene Formen aus. Gleich geblieben sind die Stereotypisierung von und der Hass auf Jüdinnen und Juden.

Nach wie vor ist Antisemitismus ein Weltbild, das immer wieder auch zu diskriminierenden Handlungen im Alltag bis hin zu Straf- und Gewalttaten gegenüber Menschen jüdischen Glaubens und mit jüdischen Wurzeln führt. Nordrhein-Westfalen verzeichnete in den vergangenen Jahren einen besorgniserregenden Anstieg antisemitisch motivierter Straftaten.

Diese Kontinuitäten des Antisemitismus hinterlassen Spuren in der jüdischen Community. Zu einem umfassenden Verständnis des Phänomens Antisemitismus gehört es daher, die Perspektiven von Jüdinnen und Juden als Betroffene und Expert*innen einzubeziehen. Diese Veranstaltung setzt sich eingehend mit Formen und Verbreitung des Antisemitismus in unserer Gesellschaft auseinander.

Prof. Dr. Julia Bernstein von der Frankfurt University of Applied Sciences befasst sich in ihren Arbeiten eingehend mit den jüdischen Perspektiven auf Antisemitismus. Ihre vielbeachtete Studie zum Thema Antisemitismus im Bildungswesen, die als erste das Erleben von Antisemitismus im Bildungssektor aus jüdischer Perspektive empirisch untersucht hat, bildete die Grundlage für ihr Buch Antisemitismus an Schulen in Deutschland. Befunde – Analysen – Handlungsoptionen. Sie gibt einen Einführungsvortrag zu gegenwärtigen Formen des Antisemitismus. Aus der Perspektive der Praxis zeigt Sophie Brüss von der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit Beratung bei Rassismus und Antisemitismus (SABRA) der jüdischen Gemeinde Düsseldorf das Ausmaß antisemitischer Zustände, aber auch Handlungsmöglichkeiten der Präventionsarbeit auf.

Moderation: Dominik Meder

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Julia Bernstein

Dr. Julia Bernstein ist Professorin für soziale Ungleichheiten und Diskriminierungserfahrungen im Fach Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u. a. Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeiten und Rassismen in den Institutionen, visuellen Medien und im Alltag, Interkulturalitätsfragen, Jüdische Identität im gesellschaftlichen Wandel, Stereotypisierungs- und Ethnisierungsprozesse. Zu ihren Publikationen gehört u. a. ein Studienbericht im Auftrag des zweiten Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des Deutschen Bundestages Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus in Deutschland (in Kooperation mit Andreas Zick, Andreas Hövermann und Silke Jensen), Antisemitismus an Schulen in Deutschland. Analysen – Befunde – Handlungsoptionen. Weinheim 2020; Israelbezogener Antisemitismus. Erkennen – Handeln – Vorbeugen. Weinheim 2021

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Sophie Brüss 1

Sophie Brüss studierte Romanische Philologie und Volkswirtschaftslehre an der Uni Bonn und absolvierte eine Zusatzausbildung zur Theaterpädagogin in Köln. Seit mehr als 15 Jahren setzt sie sich beruflich und künstlerisch mit Antisemitismus auseinander. 2017 wurde sie mit dem Aufbau von SABRA NRW betraut, wo sie aktuell als Referentin für Antidiskriminierungsarbeit angestellt ist.

Programmreihe "Das Problem heißt Antisemitismus"

Die Programmreihe Das Problem heißt Antisemitismus setzt sich mit Formen und Verbreitung des Antisemitismus in unserer Gesellschaft auseinander. Gemeinsam mit dem Literaturbüro Ruhr, der VHS Mülheim und dem soziokulturellen Zentrum Makroscope in Mülheim sollen szenenübergreifende Synergie-Effekte auf den Weg gebracht und verschiedene gesellschaftliche Schichten und Akteur*innen angesprochen werden. Neben einer Einführung in den Themenkomplex der Antisemitimustheorien werden unter Einbezug jüdischer Perspektiven aus Alltag, Journalismus, Wissenschaft und Literatur Handlungsoptionen aufgezeigt und kontroverse Themenkomplexe diskutiert. Ziel der Reihe ist es, einen breiten öffentlicher Diskurs anzustoßen, ein Bewusstsein für die vielen Formen und Ausprägungen des Antisemitismus zu schaffen, diese sichtbar zu machen und eine Möglichkeit der kritischen Selbstbefragung zu bieten.

Eintritt frei

Ort Makroscope | Friedrich-Ebert-Straße 48 | 45468 Mülheim an der Ruhr

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