Kassia - Songs of Care(volution)

Kainkollektiv & Burak Özdemir & Musica Sequenza

Musiktheater/Performance
Freitag 08. Oktober 2021, 20.00 Uhr Premiere
Samstag 09. Oktober 2021, 20.00 Uhr

Info: Übersetzung: DE/EN

Kassia | Foto: Burcu Özdemir

Kassia sagte “Nein!” und wies den Heiratsantrag des Kaisers Theophilos zurück. Sie gründete auf einem der sieben Hügel Istanbuls ein Frauenkloster und widmete sich fortan ihrer Musik. Als Komponistin, Dichterin & byzantinische Äbtissin, die im 9. Jahrhundert in Konstantinopel lebte, erscheint sie damit als eine Art urfeministisches Role Model. Und sie gilt als erste europäische Komponistin, deren musikalische Werke überliefert worden sind.

Gemeinsam mit dem Komponisten Burak Özdemir und seinem Orchester Musica Sequenza inszenieren Kainkollektiv eine Performance-Oper, bestehend aus vielschichtigen Neu-Kompositionen der Werke Kassias. Zwischen Musik, Oper, Text, Tanz, Film und Performance entsteht ein schillerndes Porträt über Kassia, ebenso wie der west-östlichen Grenzlandschaften Europas, aus denen sich ihre musikalischen Einflüsse speisten und die aktuell wieder tief in die Krise patriarchaler und nationaler Politiken geraten sind.

+weitere Informationen

Das international arbeitende Künstler-Team kainkollektiv in unterschiedlichen Kollaborationen an theatralen Partituren zwischen Theater, Installation und Performance. Die Arbeit in internationalen (Ko-)Produktionen - den musiktheatralen, doku-fiktionalen GLOBE OPERAS, einem von kainkollektiv erfundenen, auf ausgiebigen Recherchen basierenden Performance-Format - ist zentraler Bestandteil der Arbeitsweise. Diese Produktion ist die erste Zusammenarbeit zwischen kainkollektiv und Burak Özdemir & seinem Musica Sequenza Orcherster. Burak ist Komponist, Fagottist, Choreograph und Regisseur. Er studierte historische Aufführung und Komposition an der Juilliard School, der Universität der Künste Berlin und am Istanbuler Konservatorium. 2008 gründete er Musica Sequenza in New York; ein Ensemble, das für die Innovation von Barockmusik und interkulturelle Produktion steht. 2010 zog Burak zurück nach Berlin, wo er mit selbstentwickelten Methoden neue Aufführungsmodalitäten praktiziert. Buraks musikalische Aktivitäten waren in Europa, Nord- und Südamerika und Asien zu sehen. Zusammen mit der kolumbianischen Sopranistin Diana Ramirez, der südkoreanischen Tänzerin Young-Won Song und der syrischen Schauspielerin Amal Omran entsteht zwischen Musik, Oper, Text, Tanz, Film und Performance ein schillerndes Porträt der Künstlerin Kassia.

+ KASSIA-Konferenz-Serie (Herbst 2021)

KASSIA & THE NEW ISTANBUL CONVENT (TION) - EINE DIGITALE KONFERENZ SERIE

von kainkollektiv, Musica Sequenza, Frauenmuseum Istanbul, Pracownia Kuratorska (Polen), tak
Theater Aufbau Kreuzberg Berlin & Kampnagel Hamburg sowie verschiedenen Universitäten

Die Komponistin, Dichterin & byzantinische Äbtissin KASSIA, die im 9. Jahrhundert in Konstantinopel lebte, gilt als erste europäische Komponistin, deren musikalische Werke überliefert worden sind und bis heute eine wichtige musikgeschichtliche Rolle spielen. Kassia war eine emanzipierte Frau. Sie wagte es, Kaiser Theophilos von Konstantinopel während der für ihn organisierten „Brautschau“ mit theologischem Scharfsinn entgegenzutreten. Sie wollte nicht heiraten und gründete mit ihrem Vermögen in Konstantinopel ein Frauenkloster. In ihrer selbstbestimmten Lebensgestaltung erscheint Kassia als eine Art urfeministisches Role Model. Diese „Powerfrau“ nehmen kainkollektiv und der türkisch-deutsche Komponist Burak Özdemir zusammen mit seinem grandiosen Barockorchester Musica Sequenza als Ausgangspunkt für eine (post-)feministische Oper den SONGS OF CARE(VOLUTION) , die in Zusammenarbeit mit dem Frauenmuseum Istanbul sowie Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen und Künstlerinnen aus Deutschland, Polen, der Türkei und weiteren Ländern (des globalen Südens) im kommenden Jahr zwischen Berlin, Istanbul, NRW, Krakau und Warschau entstehen wird. Eingebunden ist die Performance in eine zugleich analoge wie digitale Konferenz inklusive Online-Ausstellung, mit der das Projekt explizit einen Beitrag zur aktuellen feministischen Debatte leisten soll. Es ist ein deutliches Zeichen der Solidarität und des Widerstandes, angesichts der Ablehnung der Istanbul-Konvention für Frauenrechte durch die Regierungen in Polen und der Türkei.

Von September bis Oktober 2021 entsteht eine fünfteilige analog-digitale Konferenz-Serie, mit internationalen Speaker*innen und in konkreter Zusammenarbeit mit dem Frauenmuseum Istanbul in der Leitung von Meral
Akkent, Zuzanna Berendt und Anna Majewska vom kuratorischen Kollektiv Pracownia Kuratorska aus Krakau und Universitäten aus Deutschland, Polen und der Türkei sowie der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Goethe Institut Krakau & dem Goethe Institut Istanbul. Alle Komponenten des Kassia-Projektes greifen die aktuellen feministischen Debatten und Diskurse in verschiedenen Ländern auf, die sich derzeit in Form riesiger Demonstrationen und Frauen-Streiks, aber auch in kleinen Initiativen zwischen Wissenschaft, Aktivismus, Sorge-Arbeit und Kunst manifestieren, und verbinden sie mit den Themen und der Kunst- und Sorge-Arbeit Kassias. Es geht insbesondere darum, aktuellen (feministischen) Initiativen, Diskussionen und Akteur*innen ein Forum zu bieten, um sich zu vernetzen und eine Art „Map of Action For A Feminist Future“ zu entwickeln. Ziel der NEW ISTANBUL CONVENT(ION) in Referenz zu Kassias mittelalterlichem Frauenkloster ist ein hybrides, digital-analoges Format zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus, in dem sich neue Narrative einer (post-)feministischen Zukunft spinnen und entwerfen lassen. Mit Künstler*innen, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Studierenden aus Polen, Deutschland, der Türkei und in Verschwisterung mit Mitstreiter*innen und Kompliz*innen bereits bestehender internationaler Netzwerke aller Kooperationspartner*innen , stiftet das KASSIA-Projekt einen Dialog, der sich über Länder- und Fachgrenzen hinweg öffnet: ein interdisziplinäres Netzwerk zwischen Kunst, Musik, Aktivismus und Wissenschaft und einen ästhetischen und kreativen Raum für Themen wie Feminismus, Gendergerechtigkeit und Sorge-Arbeit, deren Schutzpatronin Kassia ist. Die Serie soll sich konkret entlang der folgenden Panels/Folgen realisieren, in denen ästhetische/künstlerische Präsentationsformen (Lecture Performances, Online-Konzerte) auf wissenschaftliche Expert*innen, Researchers und Publikumsdiskussionen treffen. Sie entwerfen darin einen gedanklichen und politisch-poetisch-theoretischen Raum, der von Kassias eigenen Gedichten aus dem 9. Jahrhundert bis zu Donna Haraways Cyborg-Manifest und den aktuellen Positionen in den Gender Studies reicht und wieder zurück, ganz im Geiste eines Zitates, das aus einem von Kassias Gedichten stammt: „Ich hasse das Schweigen, wenn es die Zeit ist zu reden. / Ich hasse den, der sich stets konform gibt. / Ich hasse den, der nicht jedermann mit Worten ermutigt. / Ich hasse den, der ohne Prüfung spricht. / Ich hasse den, der ohne Wissen lehrt.“

KASSIA-Konferenz-Serie (Herbst 2021):

9. September / 19 Uhr CEST: KASSIA and the fallen women. Eine Lecture
Performance als Overtüre der Konferenz Serie (Host: Deutschland,
kainkollektiv & friends)

23. September / 19 Uhr CEST: Feminist work. Thinking through methods,
fields and conditions (Host: Krakau: Pracownia Kuratorska)

30. September / 19 Uhr CEST: The Reception of Kassia (Host:
Turkey/Sweden: Swedish Research Institute in Istanbul)

14. Oktober / 19 Uhr CEST: Imagining Kassia’s New Istanbul Convent(ion)
(Host: Turkey: Havle Kadın Derneği, Sabancı University Gender and Women’s
Studies Center of Excellence)

21. Oktober / 19 Uhr CEST: ON SPEAKING & BEING. FEMALE SPACES OF
LANGUAGE (Host: kainkollektiv / mit Mirjam Schmuck (kainkollektiv), Mithu
Sanyal, Kübra Gümüşay und Lydia Ziemke (suite42))

23. & 24. Oktober: KASSIA THE NEW ISTANBUL CONVENT(ION):
„ACT LIKE YOU CARE!“ (Zusammenführung aller Akteur*innen)

u.a. in diesen Tagen:

23. Oktober 2021
16.00-18.00 Uhr CEST: Kassia Revisited, Researchers on Kassia’s poems and
music (Host: Frauenmuseum Istanbul)
24. Oktober 2021
14.00-16.00h CEST: Searching for Kassia Protest Poems Yesterday and Today
ein (virtuelles) Treffen mit chinesischen, georgischen, russischen, äthiopischen,
armenischen, kurdischen, South Koreanisch/dänischen und türkischen Poetinnen
(Host: Frauenmuseum Istanbul)

Die Konferenz wird auf Englisch, Polnisch & Türkisch stattfinden. Es wird Live-
Übersetzungen geben. Teilnahme online möglich. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere
Info unter www.kainkollektiv.de /Anmeldungen an: info@kainkollektiv.de

Von und mit: Meral Akkent, Burak Özdemir, Anna Majewska, Zuzanna Berendt, Wanda
Künzel, Hannah Busch, Melissa Müller, Mirjam Schmuck, Fabian Lettow, Burcu Özdemir,
Martina Bengert, Ingela Nilsson, Mithu Sanyal, Kübra Gümüşay u.v.m.
Eine Koproduktion von kainkollektiv, Burak Özdemir/Musica Sequenza Orchestra,
Frauenmuseum Istanbul, Pracownia Kuratorska und der Heinrich-Böll-Stiftung.
Gefördert von der Kunststiftung NRW, der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Ministerium für
Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, vom Fonds Darstellende
Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem
NRW KULTURsekretariat, der Stadt Bochum

Besetzung

Von und mit: Alessandro Seggioli, Amal Omran, Annie Gard, Burak Özdemir, Burcu Özdemir, Chang Yoo, Diana Ramirez, Elisabeth Champollion, Fabian Lettow, Hannah Busch, Jochen Röth, Linda Mantcheva, Mirjam Schmuck, Mirjam Wittulski, Pedro Doria ,Sebastian Flaig, Theo Small, Young-Won Song und Zdravka Ivandija Kirigin

Eintritt 15 € / erm. 8 €

Ort Ringlokschuppen | Am Schloß Broich 38 | 45479 Mülheim an der Ruhr

Eine Koproduktion von

Gefördert durch