Ist das ein Mensch?

kainkollektiv / Compagnie Zora Snake / Njara Rasolomanana

Performance / Theater / Tanz
Freitag 27. März 2020 | 20.00 Uhr Premiere /Uraufführung
Samstag 28. März 2020 | 20.00 Uhr
Istdaseinmesnch, Copyright herrwolke

(WAS) IST DAS: EIN MENSCH? Zwischen der Geschichte der Sklaverei und der sich am Horizont ankündigenden Figur des Cyborg geht es darum, die Bedingungen des „Menschen“ noch einmal neu zu verhandeln – von den konkreten Geschichten der Einzelnen bis zum fantastischen (afro-)futuristischen Entwurf einer Zukunft, zwischen Geistern, Tieren, Pflanzen und Maschinen. kainkollektiv markieren mit Tänzer*innen, Performer*innen und Musiker*innen aus Kamerun, Madagaskar, Kongo und Deutschland einen notwendigen Riss in der Gegenwart, durch den der Mensch vielleicht neu zum Vorschein kommen mag.

kainkollektiv zum Stück:

Wir eröffnen einen unmöglichen Raum. Für eine unmögliche Frage, die zu stellen sich heute wieder aufdrängt. Schon wieder. Immer noch. Es ist der Raum eines groß angelegten Rituals. In dem die Körper außer sich geraten. In dem uns die Stimmen entgleiten. In den die Geister hineinfahren, um mit uns einen Totendialog zu eröffnen, der das Theater seit jeher gewesen ist. Ein Geräusch, ein Laut fährt in die Stille: in die Stille des Vergessens, die sich über unsere gemeinsame Geschichte legt wie ein Gift. Ist es ein Schrei? Der Beginn eines Gesangs? Ein menschlicher Laut?

Oder der einer Kreatur? Eines Roboters? Es ist nicht gleich zu sagen. Körper werden sichtbar, die sich in sich krümmen, sich aus sich herauswinden, als wären sie besessen. Gesichter, die aufreißen. Gliedmaßen, die unter Spasmen um Kontrolle ringen und sie sogleich wieder verlieren. Wie in einem Tanz mitten auf offener Straße, in den mit einem Mal die Erdgeister hineinfahren. Gerade noch gingen wir sorglos über den Asphalt, da bricht plötzlich der Boden unter den Füßen weg und eine zunächst namenlose Kraft lässt uns stolpern, taumeln, stürzen. Doch statt uns dagegen zu wehren und uns gewaltsam von den fremden Kräften loszureißen, um uns in die Ordnung unserer scheinbar heilen Realität zurück zu manövrieren, lassen wir es einfach geschehen. Lassen uns gehen. Nehmen den plötzlichen Schwindel als eine Möglichkeit der Befreiung an.

Der Befreiung vom falschen Schweigen, den falschen Fassaden, mit denen wir unsere Realität panzern und unsere Komfortzonen ausstaffieren. Denn wir sind eingeladen: zu einem Ritual, das uns uns näher bringen wird, indem es uns aus unserer eigenen Sicherheitszone herausreißt. Hinein in die Gefahr der Selbst-Entäußerung, die aber vielleicht Heilung mit sich bringt. Ein Strudel, der uns an die Ränder treibt. Die Ränder unserer Selbst ebenso wie an die Ränder dessen, was uns umgibt – die historischen und futuristischen Landschaften, die wir erst wieder bewohnen können, wenn wir uns aus der Selbstvergessenheit der Gegenwart befreien,aus ihr aussteigen.

Einen solchen Ausstieg wollen wir unternehmen. Wir laden dazu ein, sich schonungslos einer Frage auszusetzen, die auf wundersame Weise die Erfahrung der Gewalt der Kolonialgeschichte und des Faschismus mit den fantastischen Möglichkeitsentwürfen von Science Fiction Phantasien, in denen Aliens und Cyborgs die Geschichte schreiben, zusammenbringt: der Frage IST DAS EIN MENSCH?

Für diese Frage, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen wird, wollen kainkollektiv(Deutschland), Compagnie Zora Snake (Kamerun) & Njara Rasolomanana (Madagaskar) einen Raum eröffnen, in den wir alle einladen, die den Tanz über Abgründen nicht scheuen. Es geht darum, die Gewissheiten zu verabschieden und den Abgrund der Geschichte(n), die uns unweigerlich voneinander trennen und uns ebenso unweigerlich miteinander verbinden, in unserer Lebenswirklichkeit Einzug halten zu lassen.

Besetzung

Kreation von und mit: Zora Snake Raoul, Abdoulaye Abdoul Oumate, Wilfried Lekemo Nakeu, Valery Ebouele, Fany Abega Apke Clementine, Nicolas Fionel Moumbounou, Mariette Nancy Nko, Armin Leoni, Michael Wolke, Alexandra Tivig, Sebastian Radermacher, Rasmus Nordholt-Frieling, Michael Bohn, Florian Lauss, Edith Nana Voges, Catherine Jodoin, Pélagie Alima, Calvin Yugye, Njara Rasolomanana, Patrick Ravelomanantsoa, Mirjam Schmuck & Fabian Lettow (kainkollektiv)

Weitere Vorstellungen:

Kampnagel, Hamburg, 2.-4. April 2020
tak, Berlin, 13./14. April 2020
FFT Düsseldorf,17./18. April 2020
und in Jaunde und Antananarivo (Madagaskar).

Eintritt 15 € / erm. 8 € / Gruppe 6 €

Ort Ringlokschuppen | Am Schloß Broich 38 | 45479 Mülheim an der Ruhr

Eine Koproduktion von

Gefördert durch

Internationaler Koproduktionsfonds des Goethe Instituts